Wenn Stichworte wie „Verlagswesen“ oder „Veröffentlichung“ fallen, ist die erste Assoziation der meisten unweigerlich der Autor. Für den Inhalt eines Buches oder einer Zeitschrift sind aber nicht allein die Autoren verantwortlich – der Herausgeber spielt dabei eine wichtige Rolle.
Die Aufgaben eines Herausgebers
Was aber tut ein Herausgeber? Grob gefasst kann man sagen, dass der Herausgeber Texte zur Veröffentlichung vorbereitet. Dabei kann es sich sowohl um wissenschaftliche als auch um schriftstellerische Werke handeln. Die Herausgeber spielen dabei eine wichtige Rolle: Durch ihre Person beeinflussen und prägen sie das Erscheinungsbild von Verlag und Verlagsprodukt.
Dabei muss man zwischen dem Herausgeber einer Zeitung und dem Herausgeber eines Buches unterscheiden. Bei einem Zeitschriftenverlag arbeitet der Herausgeber mit dem Verleger zusammen; gemeinsam bestimmen sie eine publizistische Richtlinie. Welchen Grundtenor wollen wir mit unseren Veröffentlichungen anschlagen? Welche politischen, kulturellen, gesellschaftlichen Positionen wollen wir vertreten?
Mit dem Chefredakteur zusammen achtet der Herausgeber dann darauf, dass die festgelegte Leitlinie auch eingehalten wird, indem er zwischen Redaktionen und Geschäftsleitung vermittelt. Trotzdem gibt es zwischen Chefredakteur und Herausgeber einen klaren Unterschied: Ersterer wacht im Tagesgeschäft über die aktuelle Produktion und achtet darauf, dass die Linie eingehalten wird, während letzterer langfristig Entscheidungen trifft, die die Ausrichtung des Blattes beeinflussen. Deshalb ist der Herausgeber presserechtlich nicht belangbar, während zum Beispiel Chefredakteur und Verleger eine Mitverantwortung für veröffentlichte Inhalte tragen.
Berühmte Herausgeber
In Deutschland gibt es allerdings wenige Beispiele für berühmte Herausgeber. Interessanterweise führt der Springer-Verlag, obwohl der bereits 1985 verstarb, „Axel Springer †“ im Impressum auf – die Betitelung kann also auch rein symbolisch verstanden werden. In der Redaktion des „Spiegels“ dagegen wurde nach dem Tod von Rudolf Augstein, dem Gründer des Blattes und ehemaligem Chefredakteur, die Position des Herausgebers gar nicht mehr besetzt.
Bei der Veröffentlichung eines Buches kann der Herausgeber beispielsweise ein Spezialist des Verlags sein, muss aber mit dem Unternehmen auch nicht direkt in Verbindung stehen. Häufig vergibt der Verlag auch Herausgeber-Aufträge an Experten von außen, oder ein Mensch mit einer zündenden Idee tritt in Eigeninitiative an den Verlag heran. In jedem Fall gehört es bei der Verlagsarbeit zu den Aufgaben eines Herausgebers, die Autoren und Texte auszusuchen, die veröffentlicht werden sollen. Deshalb ist er im Vergleich zur Zeitschriftenarbeit stärker verantwortlich für das Endprodukt und tritt deshalb eher in den Mittelpunkt der Kritiker. Trotzdem können die wenigsten Herausgeber von dieser Tätigkeit allein ihren Lebensunterhalt bestreiten.
Vor allem in den Zeiten des Internets wird die Arbeit der Herausgeber immer stärker bedroht: Online-Zeitungen und eBooks erleben einen massiven Aufschwung. Viele Zeitungen und Zeitschriften, die eine Online-Präsenz betreiben, bieten den Lesern die Möglichkeit, die Inhalte der Artikel zum Beispiel in einem Forum zu diskutieren. War es bisher Aufgabe eines Herausgebers zu prüfen, ob die Mischung der Themen stimmt oder ein Artikel abgerundet geschrieben und recherchiert ist, kann es nun passieren, dass die Leser diese Aufgabe immer häufiger über Diskussionen in Foren und auf ähnlichen Plattformen übernehmen.
Trotzdem steht ein namhafter Herausgeber weiterhin für Qualität und Qualitätsanspruch einer Zeitung oder eines Verlages, sodass diese Position wohl auch in Zukunft nicht abgeschafft werden wird.






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